Die Optimierer

Nachdem ich QualityLand gelesen und gemocht habe, zog es mich zu

Die Optimierer
von Theresa Hannig

Das Buch spielt in naher Zukunft in der „Bundesrepublik Europa“, die QualityLand nicht unähnlich ist.

Allerdings geht es hier nicht so sehr um die Frage wie man das Scheitern unserer Gesellschaft in Humor packen kann. Vielmehr geht es darum, den Einfluss von Technik auf die Gesellschaft zu demonistrieren.

Vordergründig steht ein „Lebensberater“ im Mittelpunkt und ein Kandidat für eine Präsidentschaftswahl. Zunächst im Hintergrund dagegen steht ein Scoring-System, dass beim Lesen verblüffend an das Sozialkredit-System in China erinnert.

Wie auch schon QualityLand ist „Die Optimierer“ eigentlich ein Roman zur Unterhaltung. Tatsächlich aber dürfte der Unterhaltungswert schnell gegen ein beklemmendes Gefühl ausgetauscht werden, wenn man den raschen gesellschaftlichen Abstieg des Protagonisten in einem von Computern, Robotern und Algorithmen bestimmten Leben verfolgt.

Was an manchen Stellen noch vor wenigen Jahren Fiktion war, ist heute längst Routine. Computerprogramme entscheiden anhand der Adresse an der wir leben, ob wir online bestellen dürfen und wie wir zahlen. Sinkt unser Kredit-Scoring, werden Kredite teurer oder unerreichbar. Und in China beginnt man bereits, auch Informationen über Freunde und Verwandte in die Bewertung einzubinden.

Das alles schwingt im Subkontext von „Die Optimierer“ mit. Einem Roman, den man gelesen haben sollte, für den Fall das man in einigen Jahren Kindern erklären will, wie es dazu kam, dass sich die Gesellschaft auf Computerprogramme verlassen hat und wie das dazu führte, dass den Menschen jegliche Selbstbestimmung unmöglich gemacht wurde. Es sei denn, es war gut für den Score.

Auf jeden Fall ist das Buch lesenswert für Nerds. Aber auch für Menschen die kritisch hinterfragen ob eigentlich gut ist, Technik zu vertrauen, die wir selbst nicht mehr verstehen.

QualityLand

Ich muss zugeben, dass ich relativ wenig deutsche Autoren lese. Einen Grund wüßte ich dafür jetzt nicht, es ergibt sich einfach seltener.

Auf den Rat eines Freundes hin habe ich mir aber

QualityLand
von Marc-Uwe Kling gekauft.

Und das war alles, nur kein Fehlkauf 🙂

QualityLand, Dunkle Edition
QualityLand, Dunkle Edition

Das Buch, dass es in einer hellen Edition und einer dunklen Edition gibt, spielt in einer nahen Zukunft in einem fiktiven Land, dass nur rein zufällig eine große Ähnlichkeit mit Deutschland hat.

Unser Protagonist, Peter Arbeitsloser lebt dabei in seiner eigenen kleinen Welt und ist umgeben von einer Gesellschaft, deren Wert sich darüber definiert, in welchem Tempo sie den einzelnen Menschen entmündigt.

Dabei gelingt Marc-Uwe Kling ein erstaunlicher Spagat mit vier Beinen.

Das erste Beinpaar spannt er von der Dramatik zum Humor: Gleichwohl das Buch locker und humorig daher kommt und in einem entspannten Stil von den Geschehnissen um Peter Arbeitsloser und QualityLand berichtet, wird schnell klar, dass der Geschichte eine tiefe Dramatik innewohnt.

Das zweite Beinpaar schließlich erstreckt sich von den gesellschaftlichen Herausfordeungen heute zu den möglichen Auswirkungen in der Zukunft. Dabei werden zahlreiche Themen für Nerds angesprochen, aber eben auch für Menschen die sich fragen, wo unsere Gesellschaft in 20 Jahren steht. Themen wie Datenschutz, autonome Systeme aber eben auch das Bedingungslose Grundeinkommen oder die Frage nach der politischen Paritizipation spielen wesentliche Rollen – um nur ganz wenige Themen anzusprechen, die der Autor verarbeitet.

Am Ende des Buches bleibt man erstaunt sitzen. Und begreift, dass eine fiktive Zukunfts-Geschichte vielleicht mehr mit dem Jetzt und Hier zu tun haben kann, als einem lieb ist.

Und vielleicht fühlt sich am Ende die eine oder der andere bemüßigt, die eigenen Entscheidungen im Leben zu hinterfragen. Und zu überlegen, was eigentlich der Sinn von Gesellschaft, Gemeinschaft und Indiduum ist. Und was der Sinn sein soll.

QualityLand ist nicht nur eine ganz besondere Leseempfehlung. Es sollte auch Teil des Lehrplans in der Schule werden.

 

Die Insel

Das erste Buch, dass wir Euch auf unserem neuen Blog vorstellen wollen, ist

Die Insel
von Richard Laymon

Die Kategorie bei Heyne ist „Hard Core“, entsprechend erwartet man einiges. Auch, weil der Klappentext voll des Lobes von großen Autoren wie Stephen King und Dean Koontz ist.

Die Geschichte beginnt recht gewöhnlich: schwerreiche Familie fährt mit Yacht aufs Meer, Yacht explodiert, Drama beginnt.

Was Laymon hier anders macht, sind vor allem drei Dinge:

  1. Das Tempo in dem unsere Protagonisten sterben ist atemberaubend. Nach ein paar Seiten hat man das Gefühl, dass im ersten Viertel des Buches alles Charaktere tot sein müssen.
  2. Relativ schnell ist klar, bzw. ist den handelnden Figuren klar, wer der Antagonist ist, der ihnen ans Leder will.
  3. Die Wahl der Perspektive: ein 18 jähriger Teenager,  der nicht weiß wo er hingehört und der mit der schieren Anzahl an Brüsten um sich herum überfordert ist.

Das ist auch die größte Kritik, die man an dem Buch üben kann: Der Versuch, aus der Perspektive eines liebestollen Teenagers, umgeben von lauter Frauen in knappen Bikinis, zu schreiben, geht völlig daneben. Das führt leider auch dazu, dass Mann das Ende schnell erahnt.

Natürlich könnte man versuchen zu glauben, dass das Absicht ist. Das Laymon tatsächlich so übertreibt. Aber das kommt einem selbst schon als Ausrede vor, wenn man versucht, sich selbst davon zu überzeugen.

Hier ist Stephen King vorne, der seinerzeit in „Glas“ (Dark Tower IV: Wizard and Glass) im Nachwort einräumte, wie schwer es ihm gefallen ist, über eine Phase seines Lebens zu schreiben, die schon länger zurück liegt.

Auch nicht gelungen ist Laymon in „Die Insel“ der Versuch, Grauen durch Grauen aufzubauen. Die möglichst detallierte Beschreibung der Vergewaltigung eines Mädchens mag simple Triebe befriedigen – ist aber weder der Geschichte dienlich, noch wirklich so gelungen, dass man es als wichtigen Teil begreifen möchte.

Das ich das Buch trotzdem zu Ende gelesen habe, liegt eher an kleinen Details. Denn das Abweichen von der Standard-Menschen-auf-einsamer-Insel-Story birg ja doch Potential. Und auch wenn Laymon das nicht voll ausnutzen kann, ist das Buch nicht schlecht.

Es ist ein klassisches „im Winter auf dem Sofa“-Buch. Man darf es halt nur nicht für Weltliteratur halten. Dann geht’s 😉