Wie KI Dein Leben Besser Macht

Manchmal liest man ja Bücher und denkt: Naja.

Manchmal liest man ja Bücher und denkt: Och nö.

Und manchmal liest man Bücher und weint um das Papier, dass für sie vernichtet wurde. Zu diesen Büchern gehört „Wie KI Dein Leben Besser macht.

Die Diskussion um die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz geht am Alltag der meisten Menschen vorbei. Viel ist von technischen Details die Rede, von utopischen Potenzialen und gesellschaftlichen Gefahren. Aber selten gibt es Antworten auf die Frage: Wie kann ich all das, was gerade erst möglich geworden ist, ganz einfach und konkret für mich und mein Leben nutzen?

In 50 Denkanstößen gehen die Autoren mit den Potenzialen von KI auf Tuchfühlung. Sie zeigen, wie wir KI schon heute dafür nutzen können, uns bei der Gestaltung eines gesünderen Lebensstils zu helfen oder uns zu unterstützen, bessere Beziehungen zu führen. Fernab der gängigen Dystopien helfen uns Franz Himpsl und Dirk von Gehlen, KI als eine Reihe von Werkzeugen zum kreativen Problemlösen zu begreifen. Die Experten bieten Inspirationen zum Verstehen, Ausprobieren und Weiterdenken und schaffen so ein umfassendes Grundlagenverständnis, wie wir mit KI schon jetzt ein entspannteres Leben führen können: verständlich, fundiert und zugleich optimistisch, ohne naiv zu sein.

Mir hätte das vielleicht klar sein müssen was mich erwartet, als ich gesehen habe, dass das Buch immer mit »Dieses Buch ist ein fantastischer Auftakt zur wichtigsten Reise unserer Zeit.« SASCHA LOBO beworben wird. Ganz wichtig dabei, den Namen Sascha Lobo in All Caps zu schreiben.

Man bekommt sehr schnell den Eindruck, dass den Autoren sehr wichtig ist, dass man weiß für wen und was sie arbeiten, quasi als Legitimation um über das Thema schlechthin schreiben zu dürfen:

„Konkret merken wir als Head of Content Innovation“ bei der Wissens-App Blinkist beziehungsweise als Direktor des Digital-Thinktanks der SZ…“ (Seite 9)

Alter. Content Innovation*? Euer Errnst? Und das direkt auf der ersten Textseite des Buches?

Was dann folgt, sind etliche Seiten belanglosen aneinanderreihen von Worten. Das ist witzig, weil es so mittelmäßig wirkt, wie der Output vieler KI-Modelle, die letztlich nur den Mittelwert aller möglichen Wortkombinationen kombiniere, um die höchste Wahrscheinlichkeit zu erreichen, dass man ihnen abkauft, was sie sagen. Und um das zu krönen, steht dann auf Seite 41:

„Das Buch war ganz offensichtlich nicht nur über sondern auch mithilfe von KI geschrieben (…)“ 

Wobei lustiger Weise nicht über das Buch geredet wird, das man gerade selber liest. Das aber eben genau den Eindruck macht.

Eigentlich liest man in den ersten Kapiteln alles. Dann ändert sich nur noch die Reihenfolge der Worte. Das ist am Anfang noch amüsant, die konstante Verweigerung der Autoren, sich aber mal ernsthaft mit den Möglichkeiten und Risiken von KI zu beschäftigen, ist schon bemerkenswert.

Was dem ganzen dann die Krone aufsetzt, sind die „guten Ratschläge“, fett gedruckt am Ende eines jeden Kapitels. Die vom Inhalt sehr an die Software von Data Becker erinnern. (Sorry, falls Ihr zu jung dafür seid). Man kommt aber schnell zu dem Ergebnis, dass in dem Buch mit viel Abständen zwischen den Kapiteln und wenig wirklichem Inhalt die Seiten gefüllt wurden.

Und hätte ich das Buch gekauft, wäre es das erste Buch seit wirklich langem, über das ich echt sauer wäre. Da ich es aber umsonst bekommen habe, kann ich diesem Fall sagen, dass Inhalt und finanzielles Engagement übereinstimmen.

Himmel, ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal ein Buch so schlecht fand 😀

 

*) Was zur Hölle ist Conten Innovation? Inhaltserfindung? Ist das sowas wie Fancy Märchen?

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