The Drama
Okay. Manche Filme sind gut. Manche Filme sind schlecht. Und manche sind… verstörend?
Der neue Film mit Robert Pattinson gehört für mich in diese dritte Kategorie. Und ich möchte Euch gerne erzählen, warum ich „The Drama“ für einen schlechten Film halte, der aber nur aus meiner Perspektive schlecht ist und vermutlich auch nur deswegen, wie ich ihn gesehen habe.
Um die Story wurde sehr lange eine Geheimnis gemacht und das ist auch gut so, denn der Film lebt eigentlich davon, dass man nicht weiß, wie er sich entwickelt. Nicht davon, worum es scheinbar geht:
Ein glückliches Paar sitzt kurz vor der Hochzeit mit den Trauzeugen beim Testessen und nach reichlich Alkohol wird reihum erzählt, was das Schlimmste ist, das man je getan hat. Und das Geständnis der Braut wirft alles über den Haufen, was der Bräutigam zu wissen glaubte.
Das Interessante ist, dass das, was die Braut gesteht, zwar schlimm ist – aber eigentlich nicht annähernd so schlimm, wie das, was die Trauzeugin erzählt. Das wird aber in dem Film nur ein Mal thematisiert.
Was statt dessen passiert ist, dass wir eine ganze Gesellschaft, geführt vom Bräutigam vor einem vermeintlichen Scherbenhaufen stehen sehen. Er verliert sich, die Trauzeugin verliert sich, zahlreiche andere Charaktere geraten in einen Abwärtsstrudel – der die zusehende Person ratlos zurücklasst, weil eben die Braut die einzige ist, die man als „sane“, als „bei Sinnen“ wahrnimmt. Und deren Geschichte man verstehen kann. Nicht gutheißen, aber verstehen.
Mir sind zwei Dinge aufgefallen:
Am Anfang dachte ich, dass die Dialoge unfassbar dämlich sind und habe mich gefragt, ob es nicht besser gewesen wäre, den Film auf Englisch zu sehen.
Am Ende dachte ich, dass der Film von Amerikanern für Amerikaner gemacht wurde. Und zwar von solchen, die nicht die geringste Idee haben, wie Menschen außerhalb Amerikas über Amerika, Amerikaner und den „Way of Life“ denken.
Und dann hat mich Mel, mit der ich lange über den Film diskutiert habe, auf diese Kritik von Filmstarts.de hingewiesen:
Nicht nur hatte ich keine Lust auf die angekündigte [deutsche, Anm. des Verf.] Sprachfassung (womit ich übrigens ganz und gar nicht alleine war – einige Kolleg*innen hatten auf den Besuch der Vorstellung von vornherein verzichtet, ein Mann verließ nach dem ersten gesprochenen Wort den Saal) (…)
Rund eine Woche später habe ich „Das Drama“ also noch einmal gesehen, (…) vor allem in der englischsprachigen Originalversion. „Leider“ hatte ich nun plötzlich einen der besten Filme des Jahres vor mir.
Und ich glaube, dass das stimmt. Ich habe mittlerweile oft Schwierigkeiten, Filme in deutscher Synchro überhaupt noch ernst nehmen zu können. Das Vertonen der Filme in einer anderen Sprache scheint nicht mehr mit Liebe, sondern vor allem unter Zeit- und Kostendruck zu erfolgen. Aber auch inhaltlich scheine ich nicht ganz falsch zu liegen:
Die von mir zuvor als umständliche A24-Prätention empfundene Erzähl- und Inszenierungsweise, die mit chronologischen Brüchen, Jumpcuts, Visionen und (unzuverlässigen) Rückblenden arbeitet, ergab nun vollständig Sinn für mich, versetzt sie uns doch zielgerichtet in den – möglicherweise unauflösbaren – Zustand der Verunsicherung und Orientierungslosigkeit, in dem sich die männliche Hauptfigur befindet.
Auch das teile ich, wobei ich aber glaube, dass der Autor dieser zutreffenden Kritik ein ganz ähnliches Problem hat, wie ich:
The Dram will der US-Gesellschaft einen Spiegel vorhalten und eine Kritik an der Gesellschaft, an der Bigotterie und an der Lust zum Skandal sein. Die wir nicht verstehen können, weil diese Kritik in Sprache und Bild von Amerikanern für Amerikaner gemacht ist.
Was wiederum auch gleichzeitig ein Pluspunkt ist: Denn so wenig, wie sich der Film uns erschließen kann, kann es derzeit Amerika. Wir sehen, was passiert, vor allem unter Trump, und verstehen es nicht. Und so ist es auch mit „The Drama“: Wir sehen es aber wir verstehen es nicht.
Und vielleicht werden wir es auch nie können. Aber ich denke sehr darüber nach, den Film noch mal in der Originalvertonung zu schauen. Damit er wenigstens etwas besser in Erinnerung bleibt, als es jetzt der Fall sein würde.
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