Sag dem Abenteuer, ich komme
English on Goodreads.
Mein letztes Buch für 2025 war „Sag dem Abenteuer, ich komme„
von Lea Rieck. Ein Buch, dass mich sehr überrascht hat – aber vollkommen anders, als ich es erwartet hätte…
Eine Frau. Ein Motorrad. Eine Welt.
Deine Welt. Dein Job. Deine Freunde. Dein Leben, wie du es kennst. Stell dir vor, du lässt all das hinter dir – und fährst mit dem Motorrad einfach los. Achtzehn Monate, fünfzig Länder, sechs Kontinente und neunzigtausend Kilometer Abenteuer.
In ihrem Reisebericht erzählt Lea Rieck eine berührende Geschichte vom Fallen und Wiederaufstehen, von Mut und Gelassenheit, Glaube an sich selbst und andere, Empathie, Hoffnung und Entschlossenheit.
Ich glaube, die größte Überraschung war die, dass ich etwas völlig anderes erwartet habe. Erwartet habe ich eine Erzählung wie z. B. von Martin, dem es in seinen Büchern wunderbar gelingt, das Leben auf zwei Rädern zu transportieren. Vielleicht eine Text gewordene Story, wie man sie bei Noraly in ihren Videos verfolgen kann.
Das bekommt man aber nicht. In den Rezensionen liest man gelegentlich, das Buch sei sowas wie „Eat. Pray. Love“ mit Motorrad oder ähnliche Vergleiche. Und vielleicht trifft es das und man muss den Gedanken los lassen, hier einen Reisebericht zu lesen. Denn das ist das Buch nicht.
Das Buch ist eine lose Aneinanderreihung von Erlebnissen an verschiedenen Orten – der Weg an diese Orte, das was man erwartet, spielt keine Rolle. Zwischen Seite 304 und Seite 313 erkrankt ihr Vater und sie fährt von El Paso nach Los Angeles um ihr Motorrad bei einem Typen abzustellen, den sie angeblich aus Usbekistan kennt. Um dann nach Hause zu fliegen. Was sie nicht macht und so ist man auf Seite 314 plötzlich in Vancouver und liest von Plänen, mit dem Motorrad B.C. und Alberta in Kanada zu erkunden. Was vielleicht geschieht oder nicht, denn auf Seite 325 sind wir plötzlich in Wyoming.
Ich schrieb eben „angeblich“, weil ich bei dem Buch sehr oft an Karl May denken musste. Der wunderschöne Beschreibungen von Orten und Geschehnissen niederschrieb, die es so nie gab. Damit will ich nicht sagen, dass das Buch erfunden ist, aber mich irritiert die unfassbare Anzahl von Dialogen, die wörtlich wiedergegeben werden, die „Bekanntschaften“, die nicht vorhandenen Sprachbarrieren und eben das Fehlen jeder Reise an sich.
Ein Beispiel dafür ist, wie sie von dem Weg von Dushanbe, Tadschikistan nach Osch in Kirgistan berichtet. Nämlich nur in Form der Erlebnisse mit einer Reisegruppe und den Männern. Männer und ihre Beziehung zu ihnen sind auch ein sehr wichtiger Teil in dem Buch – während man bei Norlay sehen kann, wie unfassbar unterschiedlich die Städte sind und wie aufregend die Fahrt sein muss. Insbesondere auch wegen des Bartang Valley.
Mir sind eine Reihe von Situationen begegnet, bei denen ich mich gefragt habe, warum ich über den xten „Bad Boy“ lesen muss, den sie anhimmelt, aber nichts über Land und Leute und vor allem die Reise lerne.
Und dann sind da noch die Stellen, die einfach komplett unglaubwürdig sind. Wie die, das sie nackt, nur mit einem Slip begleitet zwei Männern begegnet, die aus dem Wald kommen.
Wieso sie nackt ist?
Na, weil sie nur mit einem Kleid (und erwähnend, dass sie keinen BH trug) Motorrad fuhr, sich das Kleid im Hinterrad verfangen hat und ihr vom Körper gerissen wurde. Ohne das sie es wirklich gemerkt habe. Natürlich helfen die beiden ihr, die Reste des Kleids aus dem Hinterrad zu fischen:
Seite 168 f. (wir sind in Nepal):
„Und das heißt: Motorrad ohne Schutzkleidung zu fahren, nur in einem Kleid. (…) Am Ortseingang setze ich mich wieder. Plötzlich ein fast unmerkbarer Ruck, bei dem ich nicht genau weiß, woher er kommt. Dann fahre ich an zwei Feldarbeitern vorbei, (…) die mich stauend angaffen. (…) Ich blicke auf den Tacho, und mir fällt etwas ins Auge, das mich irritiert. Haut. Trotz des Helms versuche ich, an mir herunter zu schauen, und sehe …. nichts. Beziehungsweise jede Menge Haut. (…) Verdammter Mist, ich bin nackt, bis auf die Unterhose. (…) Die beiden Männer kommen langsam in meine Richtung. (…) Hektisch springe ich vom Motorrad und versuche zu rekonstruieren, wo mein Kleid steckt. Da ist es! Dieser Verräter von einem Kleid! Fein säuberlich aufgerollt um die Hinterachse. (…) Sie [die Männer] haben Macheten, ich noch nicht mal einen BH. (…) Doch ich bin sowieso nicht das Ziel der Männer. Einer nimmt mir bestimmt den Lenker aus der Hand(…). Sie schieben mein Motorrad rückwärts.“
Wer schon mal Motorrad gefahren ist, weiß wie das klingt. Und viele Radfahrer vermutlich auch. Und ich glaube das war die Stelle, an der ich beschlossen habe, das ganze Buch nicht mehr als Reisebericht zu verstehen, sondern als Erzählung in der Tradition von Karl May. Manches mag echt sein, manches mag erfunden sein, who cares.
(Quelle: https://www.reddit.com/r/SipsTea/s/kwjJKyp1Kh )
Wenn man sich auf diese Ebene begibt, ist das Buch die Erzählung einer jungen Frau, die noch nicht weiß, wer sie ist, wer sie sein möchte. Die sich ausprobiert, die die Welt um sich herum erkundet und manche Geschichte aus dem Buch mag eine Hyperbel sein.
Der Geschichte tut das keinen Abbruch – sie lässt sich flüssig und zügig lesen.
Wer allerdings tatsächlich mehr über die Kulturen und Orte der Welt erfahren möchte, kann das besser bei den schon genannten oder auch z. B. bei Valle machen. Allerdings mit weniger, wie sagt man heute, „Spice“ 😉
——
Die in diesem Beitrag gesetzten Links zu Amazon sind „Affiliate-Links“. Bei einem Einkauf über diesen Link wird ein geringer Teil des Umsatzes für den gutgeschrieben, der den Link gesetzt hat. Dadurch wird das Produkt für den Kunden nicht teurer, Amazon verdient nur etwas weniger – hat dafür natürlich Werbung für seine Seite. Alle Artikel auf unkreativ.net die einen solchen Link verwenden, sind auch mit der entsprechenden Kategorie gekennzeichnet.
Wenn Ihr wollt, könnt Ihr hier meinen Newsletter bestellen:


Cool. Lea Riecks „Abenteuer“ steht hier in Sichtweite zum PC im Bücherregal – und war mit das erste Buch, das ich auf meinem Blog besprach. Leider hat meine Rezension den letzten Umzug nicht überlebt ..
Dein Post hat mich dazu gebracht, nochmal reinzulesen. Vielen Dank dafür!
Beste Grüsse aus Südtirol!
Schönen Blog hast du! Werd mich da morgen mal reinlesen 🙂 Danke fürs kommentieren.