Richter morden besser

Irgendwie ist gerade Ruhrpott-Zeit 😉 Nachdem ich ja gerade den zweiten Band von S. D. Foik durch hatte, habe ich heute das schlechte Wetter genutzt und den Roman „Richter Morden Besser des in Duisburg lebenden Autors Thorsten Schleif gelesen:

Cover "Richter morden besser"Als junger Jurastudent träumte Siggi Buckmann davon, die Welt ein Stück gerechter zu machen. Als alter Hase im Richteramt schiebt er nur noch Dienst nach Vorschrift. In den Justizbehörden regiert die Bürokratie und sämtliche Urteile, die Siggi fällt, werden in Berufungsverfahren wieder aufgehoben. Erst der Tod eines obdachlosen Junkies rüttelt Siggi wieder wach. Als niemand die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen will, beginnt Siggi, die Dinge anders zu betrachten. Da er das System seit Jahrzehnten kennt, weiß er, wie man dessen Schwachstellen nutzen kann. Vielleicht kommt ja auch er selbst mit einem Verbrechen davon?

Als jemand, der in der Nähe des Wirkungsorts des Autors, dem Amtsgericht Dinslaken, lebt, war meine Neugier auf Richter morden besser sofort geweckt. Diese Nähe zur juristischen Realität spürt man auf jeder Seite: Die Einblicke in den Gerichtsalltag sind pointiert, glaubwürdig und oft mit einem Augenzwinkern versehen. Das gilt umso mehr, als das ich selbst ja ziemlich genau weiß, wie es in hinter den Kulissen von Behörden und Ministerien aussieht. Die Beschreibungen der Lebensrealität des Protagonisten sind schon amüsant-

Der Plot bewegt sich gekonnt zwischen Justizkrimi und satirischem Gesellschaftsporträt. Die Figuren sind markant gezeichnet, der Ton bleibt stets leichtfüßig. Insgesamt ist aber alles etwas zu ober-flächig, vor allem im Vergleich zu der Serie „Achtsam Morden“ von Karsten Dusse.

Der Vergleich zwingt sich auf, nicht zuletzt weil Schleif in als „Vorbild und Spaßgeselle“ beschreibt. Dusse schreibt sprachlich oft raffinierter, pointierter und spielt stilistisch noch ein wenig gekonnter mit Ironie und Tiefgang.

Dennoch: „Richter morden besser steht auf eigenen, festen Beinen. Wo Dusse mehr mit Psychologie und schwarzem Humor arbeitet, setzt der Autor hier auf handfeste Justiznähe und authentische Milieuschilderung.

Das Buch liest sich durchweg flüssig, unterhält bestens und lässt sich – im besten Sinne – in einem Rutsch durchlesen. Mehr als einen verregneten Tag braucht es nicht.

Wer ein Faible für Krimis mit juristischem Hintergrund hat und gleichzeitig einen Blick hinter die Kulissen deutscher Gerichtssäle werfen möchte, kommt hier auf seine Kosten.

Fazit: Ein gut lesbarer, unterhaltsamer Justizroman mit lokalem Bezug, der Lust auf weitere Fälle macht – und seinem Titel alle Ehre.

(Kleiner Rant am Ende: Der Übergang in den zweiten Band wirkt wie nachträglich dran gebastelt. Als hätte man dem Autor kurz vor Ende gesagt, dass es noch einen Cliffhanger braucht. Ohne wäre besser. )

 

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