NSA – Nationales Sicherheitsamt

Vor ein paar Jahren hat Mel das Buch „NSA“ von Andreas Eschbach gelesen. Es hat sie so beeindruckt, dass sie mich seit dem immer wieder auf das Buch hingewiesen hat, auch weil sie wissen wollte, was ich wohl denke. Und wer wäre ich, wenn ich einem solchen Drängen nicht nachgeben würde, weswegen ich es in den letzten Tagen als Hörbuch gehört/gelesen habe.

Weimar 1942: Die Programmiererin Helene arbeitet im NSA, dem Nationalen-Sicherheits-Amt, und entwickelt dort Komputer-Programme, mit deren Hilfe alle Bürger überwacht werden. Erst als die Liebe ihres Lebens Fahnenflucht begeht und untertauchen muss, widersetzt Helene sich. Dabei muss sie nicht nur gegen das Regime kämpfen, sondern auch gegen ihren Vorgesetzten Lettke, der die perfekte Überwachungstechnik des Staates für ganz eigene Zwecke benutzt und dabei zunehmend jede Grenze überschreitet …
Quelle: Bastei Lübbe

Ich hatte meine Schwierigkeiten, in das Buch hereinzufinden. Das lag vor allem daran, dass die Frage des Buches ja ist, was gewesen wäre, wenn Hitler und Deutschland schon in den 20er und 30er Jahren Computer besessen hätte und welchen Einfluss das genommen hätte. Mir fiel es schwer, Technik von Heute in den geschichtlichen Kontext des Buches zu packen. Und relativ am Anfang des Buches fiel mir sehr negativ auf, dass tatsächliche Geschichten des unsäglichen Leids, wie die der Geschwister Scholl, in die Geschichte aufgenommen wurden. Ich kann nicht genau sagen, was mich daran gestört hat, aber ich hielt es für unangemessen.

Die Geschichte selbst ist an sich ist dabei durchaus spannend, auch wenn sich Eschbach ab und an zu sehr in Nebensträngen verliert. Oder vielleicht empfinde nur ich das so, weil ich gerne mehr die technische Seite, denn die beiden Stränge der Protagonistinnen / Protagonisten zu sehr zu vertiefen.

Interessant ist aber, wie die Geschichte über mit IT „bewaffneten“ Nazis auf eine fast unheimliche Art und Weise die Geschehnisse in den USA rund um Trump und seine Wiederwahl und seine Machtausübung seit dem abbildet. Was vielleicht ein Zeichen dafür ist, dass bestimmte „Führungsstile“ immer die gleiche Sorte Menschen bedingen und dann auch ein Stück vorhersehbar werden.

Es interessiert nicht, was ein Mensch zu sagen hat – nur ob er das Richtige sagt

Auch die Hinleitung zu KI und letztlich die Erfüllung eines Traums von Elon Musk passt da ganz gut und ist eigentlich nur die logische Fortführung einer menschenverachtenden Ideologie, die einige Wenige über alle stellt. Und auch den ultimativen Machtanspruch von Despoten gut darstellt, wie eben auch ihren Willen, jede moralische und ethische Grenze hinter sich zu lassen.

Es zeigt sich auch, wie willfährig Menschen bereit sind, Freiheit aufzugeben um einer Ideologie zu folgen und wie bereit sie sind, sich der omnipräsenten und doch im Hintergrund agierenden Maschine zu ergeben. Wie Freiheit letztlich stirbt und es niemand merkt. Bis alle in einem selbst gebauten Käfig leben und aus Menschen Drohnen geworden sind.

Was an dem Buch noch spannend ist: Ich werden den Eindruck nicht los, dass Eschbach sich von Theodor Fontanes Werk „Effi Briest“ von 1895 hat inspirieren lassen. Die Geschichte um Helene hat hier bemerkenswerte Parallelen.

Trotz anfänglicher Schwierigkeiten in das Buch einzusteigen, hat es letztlich 4 Sterne von mir bekommen. Eben weil es Vergangenheit und Zukunft verbindet und dabei zeigt, dass Macht eigentlich immer korrumpiert und welche Gefahr von moderner IT ausgehen kann, wenn man keine Grenzen kennt. Und wer von Euch solche Themen, wie sie in dem Buch besprochen werden, spannend findet, kann ja eine Suchmaschine z. B. nach Palantir befragen.


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