Misery (SIE)
English Version: Goodreads
1987 erschien das Buch „Misery„
, bzw. „Sie„
in Deutschland, von Stephen King und ich würde sagen, zwischen dem Jahr und 1990 habe ich es zum ersten Mal gelesen. Jetzt war es in meinem King-Reread so weit und ich habe eine interessante Feststellung gemacht…
Paul Sheldon ist Schriftsteller. Seine beliebtesten Bücher handeln von der Serienheldin Misery Chastain. Paul selbst jedoch hasst diese Buchreihe. Nachdem er ein neues Buch in einem Hotelzimmer, dem Ort seiner schriftstellerischen Inspiration, beendet hat; erleidet er auf dem Heimweg einen schweren Verkehrsunfall. Im Haus der ehemaligen Krankenschwester Annie Wilkes erwacht er aus dem Koma. Annie ist ein großer Fan und liebt seine Misery-Bücher.
Sie bringt Paul nicht ins Krankenhaus, sondern isoliert ihn bei sich zu Hause, ohne einer Menschenseele Bescheid zu sagen. Paul, der sich beide Beine mehrmals gebrochen hat, ist nicht in der Lage zu fliehen. Das Manuskript von Pauls neuem Buch gefällt ihr nicht, da es nicht von ihrer Lieblingsheldin Misery handelt. Als Annie sich das neueste, gerade erschienene Misery-Buch kauft, wird sie überaus wütend, da Paul seine Heldin Misery am Ende sterben lässt. In einem zornigen Akt der Rache zwingt sie ihn, für sie ein neues Misery-Buch zu schreiben, in dem diese wieder zum Leben erwacht. Unter schlimmer Folter schreibt Paul das Buch, und nach etwa sechs Monaten ist es fertig. Und zur Veröffentlichung im kleinen Kreis hat Paul ein furioses Finale geplant…
Was mir schon recht schnell auffiel war, dass ich das Buch nicht lesen wollte. Das mag komisch klingen, weil es kein schlechtes Buch ist. Es ist für King eher ungewöhnlich, weil es uns direkt in die Geschichte wirft und wir keine Gelegenheit haben, Orte und Menschen kennen zu lernen. Das Grauen beginnt praktisch sofort.
Und ich glaube, dass das ist, was mich so… zurückhaltend sein lassen. In meiner Erinnerung ist Misery ein sehr furchtbares Buch gewesen und das ist auch beim jetzigen Lesen mein Eindruck. Furchtbar im Sinne von beängstigend.
Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum es tatsächlich erst das zweite Mal ist, dass ich das Buch lese. Und trotz der zahlreichen Jahrzehnte, die vergangen sind, hat es nichts von seinem Schrecken verloren.
In Misery beweist Stephen King zum ersten Mal mit höchst möglichem Nachdruck, dass es keine Monster braucht, denn der Mensch ist des Menschen Monster. Annie, die Antagonistin der Geschichte, ist dabei keineswegs „weit hergeholt“. Vor allem in letzter Zeit erleben wir immer öfter Menschen, die ungeachtet jeder Logik oder messbaren Realität ihren eigenen Ansichten, ihrem Wahn anhängen. Und Annie ist die logische Fortführung dessen.
Paul ist dagegen kein Charakter, den man mag oder im Laufe der Geschichte näher an sich heran lässt. Das braucht es auch nicht. Paul könnte Michael sein, Michael könnte Thomas sein, Thomas könnt Olaf sein. Es ist vollkommen egal, wer Paul ist. Wichtig ist allein, für was Annie ihn hält, was sie von ihm verlangt und was sie glaubt, worauf sie einen Anspruch hat.
Auch nach dem zweiten Lesen glaube ich, dass Misery nie zu meinen Lieblingsbüchern gehören wird. Im Gegenteil, ich war froh, als es zu dem im Teaser angekündigten Finale kam. Ich war froh, das Buch weg legen zu können und diese Geschichte hinter mir zu haben. Ich war froh, mich etwas anderem zu widmen.
Das das andere ein Zombie-Buch ist, mag komisch erscheinen. Aber Zombies sind fern ab der Realität. Während Misery ein Buch ist, bei dem man Angst hat, dass es in einem Haus unten an der Straße spielt, dass man schon viele male aus den Augenwinkeln gesehen hat, wenn man dran vorbei gefahren ist.
Wer sagt, er (oder sie) habe noch nie ein richtig grausames, fesselndes und den Schlaf raubendes Horror-Buch gelesen, dem sie Misery allerdings ans Herz gelegt. Denn nichts anderes ist es.
Und das macht es irgendwie dann zu einem guten Buch. Zu einem guten King. So erschreckend das ist.
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