Kill Your Friends
Vor einigen Jahren habe ich eher zufällig „Kill ‚em all“ von John Niven gelesen und fand das überraschend gut. Also habe ich mir auch den Vorgänger „Kill your Friends“ gekauft und… kam irgendwie nie dazu, dass zu lesen. Bis jetzt.
London 1997: New Labour is sweeping into power and Britpop is at its zenith. A&R man Stelfox is slashing and burning his way through the music industry, fuelled by greed and inhuman quantities of cocaine, searching for the next hit record amid a relentless orgy of self-gratification.
But as the hits dry up and the industry begins to change, Stelfox must take the notion of cut throat business practices to murderous new levels in a desperate attempt to salvage his career.
Hmmm.
Wir begegnen hier also zum ersten Mal Steven Stelfox, seines Zeichens verantwortlich für das Finden neuer Stars im Music-Business. Im zweiten Buch wurde geteasert, er habe in „Kill your Friends“ einen mörderischen Rundumschlag verübt.
Soviel vorweg, das ist nicht der Fall. Die Anzahl der Morde hält sich deutlich hinter der Ankündigung zurück. Was leider auch hinter dem zweiten Buch zurück bleibt, ist das Niveau.
Während „Kill ‚em all“ durch seinen Wortwitz und die skurrile Situation besticht, ist der erste Band eigentlich nur die Geschichte eines Porno- und Drogenabhängigen Mannes in London, der nie war, wer er sein wollte und seinen eigenen Untergang nicht akzeptiert – und deswegen letztlich zum Mörder wird.
Drogenexzesse und Orgien können mal funktionieren. Wenn ein Buch sich aber darauf beschränkt zu erklären, wie viel Koks und Ecstasy ein Mensch einwerfen kann, wie viel Alkohol er verträgt und wie er möglichst stark Frauen erniedrigt und sexuell demütigt, funktioniert das nicht.
Das, was mich das Buch hat lesen lesen lassen, war der berühmte Unfall-Effekt: Man kann nicht weg schauen, wenn man sieht, wie ein Unfall entsteht und sich vollzieht. Und so ist es auch mit dem Buch: Man kann Stelfox nicht leiden, man kann nicht mal Mitleid mit ihm haben. Man liest Seite um Seite in der Hoffnung, dass er bitte aus einem Fenster im obersten Geschoss eines Hochhauses springen möge. Passiert aber leider nicht.
Wußte ich auch, sonst gäbe es das zweite Buch ja nicht. Aber ich wollte einfach nicht glauben, dass es keine Überleitung zwischen „Kill your Friends“ und „Kill ‚em all“ geben würde. Ist aber leider so.
Meine Empfehlung wäre also: Spart Euch das Buch. Es ist nicht witzig, es ist nicht tiefgründig, es ist einfach billig geschrieben. Und die Geschichte ist vollkommen unwichtig für „Kill ‚em all“, dass im Gegensatz dazu durchaus lesenswert ist.
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