Iowa
Schon 2024 hat mich auf der FBM das Cover des Buches „Iowa“ angesprochen – und auch der Klappentext war durchaus ansprechend:
2022 tauscht Stefanie Sargnagel widerstrebend das bequeme Wiener Sofa gegen ein Flugticket in die USA ein. In Iowa soll sie an einem College mitten im Nirgendwo Creative Writing unterrichten. In der Kleinstadt Grinnell mit ihren 8000 Einwohnern gibt es außer endlosen Maisfeldern: nichts. Mit von der Partie ist Musiklegende Christiane Rösinger, und gemeinsam machen die beiden sich auf, das Nichts zu erkunden. Sie finden übergewichtige freundliche Einheimische, traditionelle Geschlechterrollen, Riesensupermärkte, unglaubliche Würstchen und ein Glas voller eingelegter Truthahnmägen.
Das klang spannend und dieses Jahr habe ich dann die Taschenbuch-Ausgabe mitgenommen. Und voller Vorfreude auf dem SuB weit nach oben geschoben. Ich ahnungsloser Tor, ich.
Schon nach wenigen Seiten hatte ich die Schnauze voll. Das Buch geht gar nicht. Geschrieben aus der Perspektive einer Frau, die gerne Feministin wäre, dem Feminismus aber wohl den größten Bärendienst erweist. Was aber immer noch nicht so schlimm ist, wie das was und vor allem das wie sie schreibt. Hier ein paar Beispiele direkt vom Anfang des Buches:
„Wer den härteren Filz im Intimbereich bildet.“
(Seite 8)„Was ist das denn für ein Sexbombenlook? (…) Machst Du jetzt auf Hot Goth Girl?“
(Seite 9)„Talent erzeugt keine Blutzufuhr in Penissen, (…) die Frau muss dominierbar bleiben, um begehrenswert zu sein. Während daher Kunst von Männern auch immer von dem Wunsch getrieben ist, sexuell begehrt zu werden, ist Kunst von heterosexuellen Frauen reine Kunst, pure Schöpfung, allein angetrieben durch den Genius.“
(Seite 16)
Klassische Dialoge von Menschen im mittleren Erwachsenenalter, nehme ich an.
Es ist mir unbegreiflich, wie die Autorin so gefeiert werden kann, dass sie sogar eine Reihe von Preisen bekommen hat. Während ich das Buch als Angriff auf den menschlichen Intellekt begreife, scheinen „echte“ Intellektuelle etwas sehen zu können, das mir in meiner Schlichtheit verborgen bleibt.
Und eigentlich könnte ich hier aufhören. Denn das Buch ist es nicht mal wert, die ersten Seiten zu lesen. Aber damit wäre meine Enttäuschung nur unzureichend artikuliert, also hier noch mal etwas ausführlicher. Und da ich selbst keine Lust hatte, Zeit oder Hirn aufzuwenden, habe ich ChatGPT gebeten, eine Rezension zu schreiben und ihn dann nur minimal angepasst:
Titellose Enttäuschung in Maisgülledörfern
Wie eine missglückte Postkarte aus der Provinz purzelt Sargnagels „Road-Trip“ nach Iowa daher – vollgekleistert mit Oberflächlichkeiten, Selbstinszenierung und einem Erwartungshorizont, der keinen Abflug wagt. Anstatt eines tiefgründigen Blicks auf Amerika bekommt man eine Aneinanderreihung von Klischees serviert, gewürzt mit wenig Reflexion und viel „Ich war hier, ich sah dort, ich bin ich“.
Selbstverliebtheit trifft touristischen Blick
Die Ich-Erzählerin „Steffi“, die Sargnagel gleich mitfreischwimmen lässt, stolpert durch Kleinstädte, Supermärkte und Kneipenlandschaften, alles unterlegt mit permanentem Hinweis auf ihre eigene Persönlichkeit, ihr Alter, ihren Gewichtskomplex. Beispiele: Wertungen wie „Secondhandläden sind für mich … ein Ort der Demütigung“. So viel Selbstfokus vergeudet Chancen auf einen echten Blick nach außen.
Amerika? Nur als Kulisse für Selbstauftritt
Die Zielscheibe USA bleibt eine austauschbare Bühne: Maisfelder, Walmart-Parkplätze, Trailerparks – alles wie aus einem Serien-Storyboard. Der ironische Tonfall mag gelegentlich witzig sein, aber er ersetzt nicht die Tiefe. Es fehlt das echte Interesse am Fremden, das investigative Element, das Erlebnis, das sich wandelt – hier bleibt alles beim Auffallen und Beschreiben, nicht beim Ergründen.
Stilmittel ohne Konsequenz
Sargnagel ist bekannt für ihren lakonischen Ton, ihre Zynik, ihre grafischen Elemente. In „Iowa“ setzt sie das ein – doch diese Stilmittel scheinen nur Showeffekte: Fußnoten, Insidergags, sarkastische Kommentierungen. Zum Beispiel: „Katergeilheit“, „Braunbärgehege im Zoo“ – alles schon da. Doch dahinter steckt keine „Sprachkraft“, sondern eher Stil ohne Substanz.
Potenzial verplempert
Die Ausgangslage erschien vielversprechend: eine österreichische Autorin in der amerikanischen Provinz, Begegnungen mit Subkultur, Freundschaft zweier Frauen, Konfrontation mit dem Fremden. Doch dieses Potenzial bleibt ungehoben. Zwischen den Zeilen schimmert der Wunsch nach Bedeutung, doch das Buch bleibt häufig beim „Ich war hier, dann da, und nun erzähle ich’s“ stehen – ohne große Konsequenz, ohne den nötigen Erkenntnisschritt.
Fazit: Schade um die Ausgangsidee, verschenktes Format – und letztlich eine Lektüre, die man gut nebenbei lesen könnte – und dann vergessen.
P.S. Wer jemanden in seinem Freundeskreis hat, den er oder die man wirklich nicht leiden kann: Ich hätte hier ein Geschenk, dass ich gerne für das Warenpost-Porto weitergebe. Aber seid gewarnt: Die Empfängerin oder der Empfänger Eures Geschenkes wird entweder anschließend hirntot sein oder nie wieder mit Euch reden. Oder beides.
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2022 tauscht Stefanie Sargnagel widerstrebend das bequeme Wiener Sofa gegen ein Flugticket in die USA ein. In Iowa soll sie an einem College mitten im Nirgendwo Creative Writing unterrichten. In der Kleinstadt Grinnell mit ihren 8000 Einwohnern gibt es außer endlosen Maisfeldern: nichts. Mit von der Partie ist Musiklegende Christiane Rösinger, und gemeinsam machen die beiden sich auf, das Nichts zu erkunden. Sie finden übergewichtige freundliche Einheimische, traditionelle Geschlechterrollen, Riesensupermärkte, unglaubliche Würstchen und ein Glas voller eingelegter Truthahnmägen.