House of Leaves

Manche Bücher lese ich sehr schnell durch, vor allem, wenn sie mir gefallen. Wenn ich für ein Buch lange brauche, ist das manchmal weil es mir entweder nicht so richtig gefällt. Oder weil es ein Buch ist, dass man nicht schnell lesen kann.

Ein solches Buch, das man nicht schnell lesen kann, ist „House of Leaves von Mark Z. Danielewski, dass es auch auf Deutsch mit dem Titel „Das Haus gibt. Wobei, wie so oft leider, der deutsche Titel völlig am Buch und vor allem an der Intention des originalen Titels vorbei geht…. naja, sei es drum.

Die deutsche Beschreibung ist dann:

Als der Pulitzer-Preisträger Will Navidson mit seiner Frau und den beiden Kindern in das Haus zieht, ahnt er nicht, wie hier sein Leben aus den Fugen geraten wird. Ganz beiläufig filmt er die alltäglichen Vorgänge in den Zimmern und Fluren; ganz beiläufig muss er feststellen, dass dieses Haus über Räume verfügt, die kein Grundriss verzeichnet.

Nachdem er bei einer ersten Erkundung dieser Räume fast den Rückweg nicht mehr findet, holt er Hilfe – ein Ingenieur und ein professioneller Höhlenforscher sollen die unermesslichen Räume im Hausinneren erforschen helfen. Und immer läuft die Kamera mit – und zeichnet auf, was über den Verstand aller Beteiligten geht und ganze Generationen von Filmkritikern und Kinogängern schaudern lassen wird.

Während die englische Beschreibung wieder mehr das Buch an sich trifft:

Years ago, when House of Leaves was first being passed around, it was nothing more than a badly bundled heap of paper, parts of which would occasionally surface on the Internet. No one could have anticipated the small but devoted following this terrifying story would soon command. Starting with an odd assortment of marginalized youth—musicians, tattoo artists, programmers, strippers, environmentalists, and adrenaline junkies—the book eventually made its way into the hands of older generations, who not only found themselves in those strangely arranged pages but also discovered a way back into the lives of their estranged children.

Now made available in book form, complete with the original colored words, vertical footnotes, and second and third appendices, the story remains unchanged. Similarly, the cultural fascination with House of Leaves remains as fervent and as imaginative as ever. The novel has gone on to inspire doctorate-level courses and masters theses, cultural phenomena like the online urban legend of “the backrooms,” and incredible works of art in entirely unrealted mediums from music to video games.

Neither Pulitzer Prize-winning photojournalist Will Navidson nor his companion Karen Green was prepared to face the consequences of the impossibility of their new home, until the day their two little children wandered off and their voices eerily began to return another story—of creature darkness, of an ever-growing abyss behind a closet door, and of that unholy growl which soon enough would tear through their walls and consume all their dreams.

Anyway:

Tatsächlich erzählt das Buch mehr als eine Geschichte, wobei sich ein Handlungsstrang ausschließlich aus Fußnoten zusammensetzt. Gleichzeitig ist das Buch so gestaltet, dass es oft in Form und Bild dem folgt, was man liest.

Hier zum Beispiel folgen wir einem der Protagonisten, wie er sich bergauf und bergab bewegt. Das ist schon ziemlich spannend zu sehen.

Es erhöht aber zugleich die Komplexität des Buches um eine weitere Dimension. Weil man jetzt nicht nur erklärende, sinnlose und eine eigene Geschichte erzählende Liste von Fußnoten mit dem Text übereinbringen muss, sonndern eben auch gezwungen ist, sich der Geschichte anzupassen, was nicht immer ganz einfach ist.

Das könnte auch der Grund sein, warum es zu dem Buch zwar einen sehr technisch-ausführlichen Eintrag auf Wikipedia gibt, der es aber nicht annähernd schafft zu erklären, warum man das Buch zwar nicht am Stück liest, aber immer wieder zur Hand nimmt.

Denn auf der einen Seite liest man einen Film, der eine gewisse Ähnlichkeit mit Blair Witch Project hat, in der Form, dass es sich um „Found Footage Horror“ handelt. Auf der anderen Seite begleiten wir aber den eigentlichen Protagonisten, der versucht zu verstehen, was Inhalt des Films ist, der wiederum nicht als Film vorliegt, sondern als Blättersammlung, eben ein Buch der Blätter. Und der dabei mehr und mehr in den Wahnsinn abdriftet.

Den gleichen Wahnsinn, der den Autor der Geschichte zu dem Haus erfasst hat, dass man wahlweise als das Haus der Blätter oder Haus des Verlassens / der Verlassenen / der Verlassenden übersetzen kann. Geht es um die Menschen, die das Haus verlassen / verlassen wollen? Geht es um die Sammlung der Blätter, die letztlich das Haus erschaffen?

Am Ende des Buches ist man nicht wirklich schlauer. Man hat aber auch nicht das Gefühl, dass man von dem Buch verlassen wurde, was eine weitere Bedeutungsebene hinzufügt. Am Ende des Buches ist einfach nur ein

W T F

übrig. Was das Buch zu einem ganz besonderen Buch macht.

Ist es für jeden Menschen etwas? Ich fürchte nein. Ich glaube es richtet sich vor allem an Menschen, die bereit sind, einfach mal alle literarischen Pfade zu verlassen, die sie bisher beschritten haben. Um sich einem inhaltlichen wie optischen Abenteuer hinzugeben, dass man nicht „mal eben“ absolviert.

Wenn man aber zu diesen Menschen gehört, ist House of Leaves mit Sicherheit eine der spannendsten Erfahrungen, die man machen kann.

P.S. Ich bin sicher, die Erfinder von „The Backrooms haben sich von der Geschichte inspirieren lassen.

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