Gerald’s Game
In meinem King ReRead bin ich jetzt bei Gerald’s Game angekommen. Ein Buch, dass ich überraschend selten gelesen habe, vermutlich weil es mich nicht mehr ganz so fesseln konnte, wie beim ersten Mal. Und ich bitte das Wortspiel zu entschuldigen 😉
Gerald und Jessie Burlingame haben sich in ihr einsames Sommerhaus zurückgezogen. Gerald möchte dem eintönigen Eheleben etwas Schwung verleihen und fesselt seine Frau ans Bett. Jessie hält gar nichts von den neuen Sexspielchen ihres Mannes und versetzt ihm einen Tritt – mit für ihn tödlichen Folgen. Mit Handschellen ans Bett gefesselt, beginnt für Jessie ein quälender Albtraum: Nachts bekommt sie unheimlichen Besuch …
Das Buch ist ist insofern wieder typisch King, als das es halt keine wirklichen Monster braucht – ist der Mensch doch Monster genug. Es ist nach Dolores das zweite Buch in Folge, das dabei die Rolle der Frau in Beziehung und Ehe beleuchtet und auch das Thema Missbrauch prominent abhandelt.
Anders als andere Bücher von King ist es aber in meinen Augen eine Geschichte, die keine tieferen Ebenen enthält, für die es sich lohnen würde, sie mehrfach zu lesen.
Sie ist dennoch lesenswert.
Denn es gelingt King durchaus, die gefühlte Hilflosigkeit und das gefühlte Ausgeliefert sein sehr anschaulich zu beschreiben. Der Leserin und dem Leser fällt es durchaus leicht, sich in die Rolle von Jessie hinein zu versetzen. Denn die wachsende Verzweiflung ist in den Worten spürbar und erlebbar. Man kann sich dabei auch gut vorstellen, dass das was sie erlebt, insbesondere die „Dialoge“ mit ihren inneren Stimmen, ihre Angst, der in den Wahnsinn treibende Durst, Urängste anspricht, die jedem Menschen innewohnen dürften.
Was mir allerdings bei ReRead aufgefallen ist:
Ich habe schon länger die Idee, dass besonders in Serien Protagonisten dumme Entscheidungen treffen müssen, weil die Geschichten sonst einfach viel zu schnell zu Ende wären. Und irgendwie musste ich daran denken, denn eigentlich hätte es am Anfang des Buches nur ein einziges Safe-Word gebraucht und Jessie wäre alles erspart geblieben 😉
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