Die Einladung – Mord nur für geladene Gäste

(Englisch Version: Goodreads)

Auf der Frankfurter Buchmesse habe ich beim Rowolth-Verlag das Buch „Die Einladung – Mord nur für geladene Gäste gesehen und da man manchmal nicht zu viel denken sollte, habe ich es wegen des Covers einfach mitgenommen.

Mit ihren 76 Jahren hat Rosemary MacLaine sich nur noch gemütlich Kreuzworträtsel lösen sehen. Keine Eile mehr, keine Umarmungen, vor allem keine Partys. Doch dann erhält sie eine Einladung, ihre reiche Nachbarin Jane veranstaltet eine kleine Feier. Anbei eine Notiz: Sollte Rosemary nicht erscheinen, wird ihr dunkelstes Geheimnis ans Licht kommen. Sie weiß, absagen ist keine Option. Und es gibt nur eine Person, die sie begleiten kann – ihre Enkelin Addie, krisenerprobt und nervenstark.
Mit Rosemary haben sieben weitere Menschen eine Einladung erhalten. Sie alle hüten brisante Geheimnisse, die nicht ans Licht kommen dürfen. Und während draußen ein Schneesturm aufzieht, treffen Rosemary und Addie in Janes Herrenhaus auf diesen illustren Kreis geladener Gäste. Da klingt ein Schrei durch die Mauern. Es hat einen Mord gegeben – und die Tote ist die Gastgeberin höchstselbst.
Sofort sind Rosemary und Addie drei Dinge klar. Erstens: Nicht Jane ist die Strippenzieherin dieser Party. Zweitens: Der Mörder ist unter den Gästen. Und drittens: Um ihn zu stellen, müssen sie herausfinden, weshalb sie alle wirklich hier sind. Bevor ein zweiter Mord geschieht …

Das klingt nach einem typischen „whodunit und das ist es im Grunde auch. Unsere Protagonisten und Antagonisten eingeschneit in einem Anwesen auf einer kleinen Insel. Mitten in einem Wintersturm und dann passieren Morde…

Das Interessante ist, dass ich dann aufgeschnappt habe, dass die Autorin das Buch geschrieben hat, nachdem sie viel Zeit mit ihrer Großmutter verbracht hat:

A two-week stay at my grandmother’s house during the pandemic sparked the initial idea of a grandmother-granddaughter murder mystery.

Quelle: Randomhouse

Irgendwie ist das schon süß, finde ich. Aber das allein reicht natürlich nicht. Also stellt sich die Frage, ob die Prämisse die Geschichte trägt.

Was die Story nicht ist, ist innovativ. Alles schon mal dagewesen und offensichtlich mit großen Anleihen an den Filmen der letzten Zeit, wie Glass Onion, und natürlich Agatha Christie.

Daran lässt die Autorin aber auch gar keine Zweifel, weil die beiden Hauptdarstellerinnen, Rosemary und ihre Enkelin Addie sich dessen durchaus bewußt sind und mit diesem Wissen spielen.

Was ich ja bei Büchern mag ist, wenn sie die Popkultur und Technik der Zeit in der sie geschrieben wurden, mit aufnehmen. Das ist auch ein großer Pluspunkt für die Geschichte hier, weil sie nicht in einer obskuren Vergangenheit oder fiktiven Zukunft spielt, sondern genau so heute stattfinden könnte.

Was zwischendurch ein bisschen nervt ist, dass die Enkelin Miterfinderin eines Computerspiels ist, das lose die Handlung eingerahmt hat. Allerdings wird praktisch alles, was sie tut, in den Kontext dieses Spiels gesetzt. Was die Autorin auch durchaus zu begründen weiß:

Additionally, my day job at the time had me working with some of the biggest gaming companies in the world, like Roblox and Epic Games, so I learned about game design through that experience. It occurred to me that there’s significant overlap in the way a detective thinks and the way a game designer thinks, and I wanted to explore that in a novel.
Quelle wie vor

Ich muss zugeben, dass ich von den ganzen Referenzen auf ein fiktives Spiel schon manchmal ein bisschen genervt war.

Und dann macht die Autorin einen, in meinen Augen, kapitalen Fehler:

Obwohl sie uns Stück für Stück durch die Ermittlungen führt, die ihre beiden Protagonistinnen führen, schwenkt sie am Ende des Romans um und bedient sich einer Technik bei der Autorinnen andeuten, dass ihre Helden das Rätsel gelöst haben. Aber nicht verraten wie und warum, damit es zu einem großen Finale kommen kann – hier wieder in klassischer Whodunit-Mentalität mit allen Verdächtigen gemeinsam in einem Raum und in Tradition von Hercule Poirot.

Das war ein Moment in dem mir das Buch schwach vorkam. So als hätte die Autorin keine Idee mehr gehabt, wie sie jetzt die Fäden aufnehmen und die Substories abschließen könnte. Was unnötig ist, denn bei der finalen Auflösung wird ja all das gemacht.

Insgesamt hat das Buch aber durchaus Spaß gemacht. Es ist mal ein frischer Ansatz einer Murder-Mystery-Story, die durchaus bekannte Elemente von früher mit dem Leben von heute verbindet.

Wenn man darüber hinwegsehen mag, und ich mochte, dass es durchaus die eine oder andere Problematik mit der Logik gegeben hat und wenn man über das beständige Heranziehen eines fiktiven Computerspiels inklusive darüber beendeter Lovestory erträgt, belohnt einen das Buch mit dem perfekten Herbst: Draußen Regen, drinnen Tee und Krimi.

P.S. der Englische Titel ist übrigens „This is not a Game. Was ich sehr viel passender und besser finde – aber das deutsche Buchtitel eher schräg sind, ist ja normal. Oder? 😀

 

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