Das Geschenk
Von der bezaubernden Mel habe ich mal wieder einen dringenden Buchtipp bekommen: „Das Geschenk“ von
Elefanten mitten in der Großstadt, und es werden immer mehr. Was geht hier vor? Rasch muss der Bundeskanzler erkennen, dass die Tiere nicht aus dem Zoo entkommen, sondern ein Geschenk des Präsidenten von Botswana sind. 20 000 Elefanten hat er nach Deutschland geschickt, nachdem die deutsche Regierung ein Einfuhrverbot von Jagdtrophäen beschlossen und damit den armen Regionen Botswanas die Lebensgrundlage entzogen hat. »Ihr Europäer wollt uns vorschreiben, wie wir zu leben haben. Vielleicht solltet ihr es einmal selbst versuchen …«
Hmm…
Ich muss zugeben, ich war ein wenig skeptisch. Eine Belgierin, die die politische Landschaft in Deutschland aufs Korn nehmen will? Warum, ich käme ja nicht auf die Idee, das mit Belgien… auf der anderen Seite bin ich ja auch unkreativ.
Und die ersten Seiten waren jetzt auch nicht so, dass ich gedacht hätte, wow, was für ein Buch. Wo kommen die Elefanten her? „It’s magic“.
Wenn man dann aber etwas länger das Buch liest, wird einem eine zentralere Bedeutung bewusst. Klar, die Geschichte ist zunächst der Versuch einer modernen literarischen Hyperbel, der seltsam anmutet. Und es ist jetzt nicht so, als würde das Buch in seinem Ausdruck für mich das ultimative Lesegefühl bedeuten.
Auf der anderen Seite aber schafft es die Geschichte, zwei Dinge in den Fokus zu rücken:
- Die Bedeutung, die Deutschland für Europa und die Welt hat, damit einhergehend auch die Verantwortung die wir tragen.
- Die Frage von Macht und Verantwortung.
Natürlich geht es nicht um echte Elefanten. Es geht um den blaubraunen Elefanten inmitten unseres Reichstags. Es geht auch nicht um die Frage ob Deutschland ein sicherer Hafen für Elefanten ist, die hier sind, weil wir mit unseren Gesetzen ihren Verbleib in ihrer Heimat unmöglich gemacht haben. Es geht um die Frage von Macht, Machterhalt und Patriarchat.
Eigentlich kann man das ganze Buch sehr gut auf einen einzigen Satz reduzieren, der ziemlich gegen Ende auf Seite 129 erscheint:
„Das Richtige tun oder an der Macht bleiben, beides zusammen wird heute immer unvereinbarer.“
Der Roman möchte mahnen. Er möchte zeigen, dass Frauen anders Politik machen und Macht erleben als Männer und zugleich zeigen, dass auch die beste Motivation manchmal vor der Aussichtslosigkeit der „Realpolitik“ zurücksteht. Und das ein guter Wille und eine solide Ethik immer weniger auch zu guter Politik führt – in einer Welt in der es zunehmend nicht mehr um Fakten geht, weil die die Stimmen bekommen, die am lautesten Schreien.
Das macht das Buch nicht zu einem Versuch, einen Weg aufzuzeigen, wie es besser geht. Im Gegenteil, es scheint fast deprimierend, wenn man am Ende des Buches feststellt, dass nicht der eine Wahl gewinnt, der (oder die) die beste Lösung hat. Sondern der oder die, die in Zeiten des Populismus versteht, die zu bedienen, die den Preis an der Zapfsäule wesentlich schlimmer finden, als zunehmende Extremwetter.
Insgesamt fand ich persönlich das Buch nicht überragend. Glaube aber, dass es ein wichtiges Buch ist, vor allem eben auch für Politikerinnen und Politiker. Denn als einer, der ich mal einer war, habe ich mich auf Seite 129 gefragt:
Habe ich mich eigentlich (für mich) richtig entschieden und konnte ich etwas verändern?
Und vielleicht sollten wir uns alle das einfach mal ein wenig öfter wieder fragen. Und bei der Antwort ehrlich zu uns sein. Und in sofern hinterlässt das Buch auch einen bleibenden Eindruck der erklärt, warum es gut war, dass eine Belgierin ein Buch über deutsche Politik schrieb.
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