Catch-22
(English on Goodreads)
Vor einer Weile schon habe ich mir den Roman „Catch-22“, geschrieben 1961 von Joseph, Heller gekauft – und irgendwie stand das Buch im Regal und es ergab sich keine Gelegenheit, es zu lesen. Das änderte sich Anfang 2026 und so zog ich mich mit dem Buch aufs Sofa zurück und… wow, was für eine Lektüre.
Der Roman spielt während des Zweiten Weltkriegs auf einer amerikanischen Luftwaffenbasis in Italien. Im Zentrum steht Yossarian, der verzweifelt versucht, dem lebensgefährlichen Fronteinsatz zu entkommen. Sein Hauptgegner ist nicht der Feind, sondern ein undurchschaubares Militärsystem, das mit widersprüchlichen Regeln und absurder Bürokratie operiert.
Die Regel „Catch-22“ beschreibt einen unauflösbaren Zirkelschluss: Wer als Pilot verrückt ist, darf nicht mehr fliegen – aber wer beantragt, nicht mehr zu fliegen, beweist damit, dass er bei Verstand ist und deshalb weiterfliegen muss. Dieses Prinzip zieht sich durch den gesamten Roman und steht sinnbildlich für eine Welt, in der Logik pervertiert wird.
Um Yossarian herum agiert eine Vielzahl exzentrischer Figuren – ehrgeizige Offiziere, zynische Mitstreiter und Opportunisten –, die jeweils eigene Strategien entwickeln, um Karriere zu machen oder zu überleben. Während die Zahl der erforderlichen Einsätze stetig erhöht wird, sterben Kameraden scheinbar sinnlos, was Yossarians Angst und moralische Zweifel weiter verschärft.
Das faszinierende ist, dass man schon am Anfang hinterfragt, ob die Menschen um ihn herum eigentlich wirklich sind – oder ob er sich alles, was er erzählt, einbildet. Oder vieles. Damit macht Heller eine weitere Ebene auf, bei der man nicht weiß, ob Yossarian eigentlich bei Sinnen ist oder nicht. Das ganze wird immer komplexer und irritierender, je länger man liest und am Ende wusste ich ehrlich gesagt nicht mal mehr ob ICH eigentlich in der Lage bin, alles richtig zu verstehen oder ob jetzt ICH der bin, der seinen Sinnen nicht mehr trauen darf. Das ist schon literarisch einmalig.
Der Roman erzählt dabei nicht linear, sondern in fragmentierten Episoden, die jeweils den vom Protagonisten an den Tag gelegten Humor und Tragik seines Lebens eng verknüpfen. Dahinter verbirgt sich eine scharfe Kritik am Militär und Krieg, dem blinden Folgen von Autorität und der Entmenschlichung des Individuums durch Systeme, die sich selbst legitimieren.
Catch-22 ist eine zugleich komisch und pessimistisch, todernst und optimistisch und wenn ich ehrlich bin – ich habe nicht mehr die geringste Ahnung, was ich da gelesen habe. Vermutlich ist das Buch deshalb so gut: Weil man Ende erkennt, dass jede Logik, die Kriege und kriegerisches Verhalten zu rechtfertigen scheinen, einfach einer Irrationalität entspringen. Für mich ist Catch-22 neben „Die Physiker“ die beste Abrechnung mit dem Irrsinn Mensch, die mir untergekommen ist.
Und schon weil ich noch heute, einige Tage nach der letzten Zeile, über das Buch nachdenke, ist es eine Leseempfehlung. Aber auch, weil es aktueller ist denn je, denn das Buch spricht natürlich über eine Zeit, in der die Welt unter Adolf Hitler litt – es lässt sich aber auch nahezu problemlos auf Trumps Wahnsinn und Putins Blutdurst mappen – und die Tode, das Leid, den Wahnsinn, die damit einhergehen.
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