Kugelblitz

"Kugelblitz" von Cixin Liu
„Kugelblitz“ von Cixin Liu… und eine Vase?

Ich habe vor einiger Zeit die Trilogie um „Die Drei Sonnen“ von Cixin Liu gelesen. Und als sich jetzt die Gelegenheit ergeben hat, „Kugelblitz zu lesen, habe ich natürlich nicht Nein gesagt 🙂

An seinem vierzehnten Geburtstag muss der junge Chen miterleben, wie seine Eltern vor seinen Augen getötet werden. Ein mehrere Tausend Grad heißer Feuerball fährt in das alte Haus und verwandelt alles in Asche – ein Kugelblitz. Fortan hat Chen nur noch ein Ziel im Leben: Er will diesem rätselhaften Naturphänomen auf den Grund gehen und es erforschen. Der Weg dorthin führt ihn weit weg von seiner Heimat in der Provinz, über sturmgepeitschte Gebirge bis tief hinab in die Geheimlabore des Verteidigungsministeriums. Dort macht Chen schließlich eine atemberaubende Entdeckung, die ihn an die Grenzen der Physik führt und ihn vor eine Entscheidung stellt: Wem gilt seine Loyalität – seiner Obsession mit Kugelblitzen, seinen Auftraggebern im Ministerium oder allein der Wissenschaft?

Wie schon in den Drei Sonnen gelingt es Liu auch in Kugelblitz eine Geschichte zu erschaffen, die einen echten, wissenschaftlich faszinierenden Kern hat, nämlich eben das Phänomen der Kugelblitze. Wikipedia dazu:

Als Kugelblitz bezeichnet man eine wissenschaftlich nicht bestätigte, kugelförmige Leuchterscheinung meist in der Nähe eines Gewitters. Dem von Augenzeugen widersprüchlich beschriebenen Phänomen kommen Modelle und Demonstrationsexperimente aus dem Bereich der Physik nur in Teilaspekten nahe. Erklärungsversuche schließen Sinnestäuschungen ein.

Experten und Laien sammeln seit langem Augenzeugenberichte und werten sie aus. Laut Augenzeugen treten die seltenen Erscheinungen plötzlich auf, im Freien und auch in geschlossenen Räumen, überwiegend in Bodennähe. Die Phänomene werden als schwebende, selbstleuchtende und undurchsichtige Lichtobjekte beschrieben. Sie strahlen keine Wärme ab und treten in zahlreichen Farben und Größen auf. Die Form wird als sphärisch (kugelförmig), eiförmig oder stabähnlich beschrieben.

Charakteristisch in der Beschreibung ist die Beweglichkeit dieser Erscheinungen. Innerhalb von zwei bis acht, maximal 30 Sekunden ändern sie oft ihre Richtung, offenbar nicht vom Wind getragen, sondern orientiert an sichtbaren Objekten. Dabei durchdringen sie laut Augenzeugenberichten auch feste Hindernisse unverändert und oft ohne Spuren zu hinterlassen, Regen fällt unbeeinflusst hindurch. Manche Zeugen berichten von Funkenschlag oder von einem Ende mit lautem Knall, der teilweise auch Verletzungen und Beschädigungen verursacht haben soll.

Damit gibt sich Liu aber natürlich nicht zufrieden und beginnt eine meisterhafte Geschichte zu spinnen, die der Frage nachgeht, was ein Kugelblitz sein könnte und was ihn ausmacht. Davon leitet er dann die Frage ab, was wäre, wenn Blitze militärisch nutzbar gemacht werden können und ehe man sich versieht, ist man in einer Geschichte, die Teils Science, viel Fiction, einiges an Beziehungsdrama und sehr viel Dystopie ist.

Der besondere Reiz des Buches ist es dabei, dass es Cixin Liu gelingt, wie Jules Verne Dinge die Möglich sind mit solchen zu vermischen, die möglich sein könnten oder unmöglich sind. Dabei spielt er mit dem was ist und dem was sein könnte. Das ganze, wie schon in der Trilogie, sehr packend erzählt und stringent aufgebaut. Und wo wir gerade von Strings reden: Eine Einführung in Quantentheorie gibt es „nebenbei“ auch noch. An deren Ende Ihr auch lernt, was es mit der Vase auf dem Bild auf sich hat. In der eine blaue Rose ist – aber nur, wenn Ihr nicht hinseht. Denn wenn Ihr die blaue Rose beobachtet, ist sie nicht da. Klingt wirr? Macht im Buch aber hochgradig Sinn 🙂

Und so hat man am Ende das Gefühl, dass letztlich fast alles gut geworden ist – und die Frage im Kopf, warum eigentlich immer alles irgendwie zu militärischem Einsatz und zu Krieg führen muss. Und den Eindruck, dass es eigentlich keine Rolle spielt, wenn am Ende durch einen sehr interessanten Spin die Frage aufkommt: Gibt es Gott und ist Gott ein Alien?

Um zu verstehen, wie Cixin Liu es schafft, von einer fantastischen Geschichte zu einer philosophischen Betrachtung zu finden, muss man das Buch wohl selbst lesen. Nur soviel ist klar: Manchmal ist da mehr, als es scheint. Und manchmal hilft es, einfach nur genau hinzusehen.

Wer Wissenschafts-Fiktion mag, wird dieses Buch lieben.

Wer sich fragt, ob es da draußen mehr gibt, als wir glauben, wir dieses Buch lieben.

Ich bin fasziniert. Und bin sicher, in ein paar Jahren wir der Name Liu so bekannt sein wie Stephen King, Charles Darwin und Donald Trump.

 

Nächster Stopp: ZZZ – Zeltstadt Zeche Zollverein

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