Debriefing the President – The Interrogation of Saddam Hussein

Als ich von dem Buch

Debriefing The President
The Interrogation of Saddam Hussein

das erste Mal gehört habe, war ich sehr skeptisch. Der Autor, John Nixon, ist der „Analyst“ (aka CIA-Agent) der das Verhör durchgeführt hat. Angeblich.

Und irgendwie habe ich ein „typisches“ Buch für einen Amerikaner von einem Amerikaner erwartet: Wir sind die Guten, wir sind die Besten und nur Gott liebt uns.

Tatsächlich überraschten mich schon die ersten Seiten, quasi die ersten Sätze des Autors. Der aus einer durchaus nachvollziehbaren Perspektive schildert, wie er zu einem Job kam, der zwar theoretisch seiner hätte sein können – von dem aber niemand und vor allem er nicht erwartet hätte, dass es sein Job wirklich wird.

Ohne zuviel über den Inhalt verraten zu wollen, kann man sagen, dass das Buch überrascht. Und das gilt nicht nur für den Autor – sondern auch für den Menschen, den er verhören soll.

Wer mehr über den Irak-Krieg, Irak und Saddam Hussein wissen möchte, dem sei das Buch wirklich ans Herz gelegt.

BIOS

Ich mag SciFi. Ich mag Dystopien. Und ich mag Krimis. Eigentlich kein Wunder, dass ich

BIOS
von Daniel Suarez

sehr mochte 🙂

Das besondere an dem Buch ist, dass der Autor hier bestehende „Zukunftstechnologien“ wie Gen-Editing mit in Entwicklung befindlicher Technik kombiniert und dann noch einen Schlag drauf setzt und eine Technik einführt, die so absurd futuristisch ist, dass man nicht weiß ob sie nicht irgendwann verfügbar sein wird, eben weil sie heute noch so absurd scheint.

Aber Dolly schien auch irgendwann mal absurd.

Das ganze packt Suarez in ein Setting, dass eine keine 30 Jahre entfernte Welt zeigt. Die aber mit unserer Welt technologisch und gesellschaftlich etwa so viel zu tun hat, wie die Zeiten von Kolumbus Suche nach Indien mit der Mondlandungs-Ära.

Dabei entsteht eine durchaus spannende Story, deren Verlauf etwas anders ist, als man es den ersten Seite entnehmen würde. Die Verpflechtungen zwischen dem Protagonisten, seinem Gegenspieler, Freunden und Feinden geben tatsächlich Raum für einen vielschichtigen Krimi.

Und auch wenn Suarez manchmal die Spannung etwas darunter leiden läßt, vom eigentlichen Plot abzuweichen, ist der Einblick, den er in den Helden der Geschichte gibt, zumeist überzeugend.

Natürlich nicht glaubwürdig. Aber darum geht es in einer SciFi-Geschichte ja auch nicht unbedingt. Vor allem dann nicht, wenn Menschen nach Herzenslust… aber das würde hier zu weit führen.

Spannend sind aber die Implikationen solcher Technologie auf Gesellschaft, unser Verständnis von Identität und Psyche. Wenn man die Geschichte aufmerksam verfolgt, wird man am Ende selbst nicht genau wissen, ob man sich dieses Ende gewünscht hätte – oder doch das sich gelegentlich abzeichnende Alternative.

Ein wenig bedauerlich, aber leider Tradition bei Suarez, ist das etwas zu schwache Ende. In diesem Fall geht natürlich alles gut (im Sinne des Protagonisten und seine Ansicht von Happy End variiert) und das Gute obsiegt über das Böse in einem nicht aufregenden finalen Schlagabtausch. Und natürlich sind auch die Co-Helden am Ende alle gereift und leben glücklich bis an ihr Ende.

Trotzdem ist das Buch eine Leseempfehlung. Schon weil es die Frage stellt, wie wir gesellschaftlich mit disruptiver Technologie umgehen, die das Gefüge unserer Gesellschaft in Frage stellt. Eine Frage, die Netflix aktuelle Erfolgs-Serie „Altered Carbon“ erfolgreich umschifft. Die in sofern mit BIOS vergleichbar ist, als das auch hier der Körper als Merkmal der Identität her hält – in der Serie aber keine Rolle spielt. Anders als in BIOS.

 

 

Dash und Lily- Neuer Winter, neues Glück

ACHTUNG: Enthält Spoiler über die Handlung des ersten Teils. Bitte nur lesen, wenn ihr den ersten Band gelesen habt.

Nachdem ich vorletztes Jahr „Dash und Lily- Winterwunder“ las und es mich umhaute, war klar, dass ich unbedingt den zweiten Teil „Dash und Lily- Neuer Winter, neues Glück“ lesen muss. Leider hat mich das Buch von Rachel Cohn und David Levithan enttäuscht.

Inhaltlich geht es- wen wundert es- weiter mit Dash und Lily. Sie sind vor einem Jahr zur Weihnachtszeit zusammengekommen und auch dieses Jahr wollen sie eine besondere Zeit erleben. Das gestaltet sich allerdings schwierig, da unter anderem Lily´s Großvater nun ein Pflegefall ist und Lily nichts mehr für ihre geliebte Weihnachtszeit übrig hat. Doch Dash versucht, ihr den Zauber von Weihnachten wieder zurückzubringen.

Leider gab die Handlung nicht viel her und zog sich regelrecht, was allerdings im Verlauf der Geschichte etwas besser wurde. Außerdem wurde meiner Meinung nach großes Drama um Dinge veranstaltet, die man, wenn man miteinander sprechen würde, problemlos aus der Welt hätte schaffen können. Man muss dazu sagen, dass es auch in gewisser Weise um das Erwachsenwerden geht. Da ist ja nicht immer alles so einfach, allerdings finde ich, dass Lily sich das Leben selbst schwer gemacht hat.
Auch die Atmosphäre war nicht mit Band eins zu vergleichen, dieses Mal bekam ich keine Weihnachtsstimmung.

Positiv zu erwähnen sind allerdings die Charaktere. Der Protagonist Dash ist ziemlich nerdig und nutzt zwischendurch besonders hochtrabende Begriffe, was mir wieder sehr gut gefallen hat, da sowas doch eher selten zu finden ist. Er ist sich auf jeden Fall treu geblieben. Auch die Nebencharaktere sind einfach toll. Sie haben alle ihre ganz eigene Art und wachsen einem schnell ans Herz.

Anders die Protagonistin Lily, sie hat sich sehr verändert und ist mir eher auf die Nerven gegangen. Von dem Sonnenschein aus dem ersten Teil war nicht mehr viel übrig.

Das Ende hat mir wiederum ganz gut gefallen, wobei es für einen Geschmack etwas länger hätte sein können.

Fazit: Dash und Lily- Neuer Winter, neues Glück kommt leider überhaupt nicht an den ersten Band heran. Meiner Meinung nach gab das Buch nicht viel Handlung her, war sehr langatmig und voller Dramen. Allerdings waren die meisten Charaktere sympathisch und das Ende war auch schön zu lesen.

Man hätte den ersten Band als Einzelband stehen lassen sollen.

Only Dead on the Inside

Zu manchen Büchern kommt man ja eher zufällig – so auch bei

Only Dead on the Inside
von James Breakwell

Angefangen hat meine Beziehung mit dem Buch auf imgur, wo ich das erste Mal von James Breakwell gelesen habe. Kannte ich bisher nicht, aber sein Twitter-Account „XplodingUnicorn“ ist auf der anderen Seite des großen Teiches recht populär.

Tatsächlich aufgefallen war mir vor allem der stark nach Paint aussehende Zeichenstil.

Und irgendwie… dachte ich schau doch mal in sein Erstlingswerk.

Um es vorweg zu nehmen: Viel Text ist in dem Buch nicht. Dafür eine Reihe von überaus witzigen Zeichungen.

Die sind eingebettet in einen Kotext bei dem man sich fragt ob „A Parent’s Guide To Surviving The Zombie Apocalypse“ jetzt meint, dass man mit, durch oder trotz der Kinder auch eine Apokalypse überstehen kann.

Wer auf schrägen (amerikanischen) Humor steht und keine lyrischen Meisterwerke erwartet, für den ist das Buch definitiv mal einen Blick wert.  Es ist absolut kurzweilige Unterhaltung.

Denn auch wenn die Geschichte erwartungsgemäß so gar keinen Sinn macht, wird es schwer fallen nicht zu schmunzeln 🙂

Die Optimierer

Nachdem ich QualityLand gelesen und gemocht habe, zog es mich zu

Die Optimierer
von Theresa Hannig

Das Buch spielt in naher Zukunft in der „Bundesrepublik Europa“, die QualityLand nicht unähnlich ist.

Allerdings geht es hier nicht so sehr um die Frage wie man das Scheitern unserer Gesellschaft in Humor packen kann. Vielmehr geht es darum, den Einfluss von Technik auf die Gesellschaft zu demonistrieren.

Vordergründig steht ein „Lebensberater“ im Mittelpunkt und ein Kandidat für eine Präsidentschaftswahl. Zunächst im Hintergrund dagegen steht ein Scoring-System, dass beim Lesen verblüffend an das Sozialkredit-System in China erinnert.

Wie auch schon QualityLand ist „Die Optimierer“ eigentlich ein Roman zur Unterhaltung. Tatsächlich aber dürfte der Unterhaltungswert schnell gegen ein beklemmendes Gefühl ausgetauscht werden, wenn man den raschen gesellschaftlichen Abstieg des Protagonisten in einem von Computern, Robotern und Algorithmen bestimmten Leben verfolgt.

Was an manchen Stellen noch vor wenigen Jahren Fiktion war, ist heute längst Routine. Computerprogramme entscheiden anhand der Adresse an der wir leben, ob wir online bestellen dürfen und wie wir zahlen. Sinkt unser Kredit-Scoring, werden Kredite teurer oder unerreichbar. Und in China beginnt man bereits, auch Informationen über Freunde und Verwandte in die Bewertung einzubinden.

Das alles schwingt im Subkontext von „Die Optimierer“ mit. Einem Roman, den man gelesen haben sollte, für den Fall das man in einigen Jahren Kindern erklären will, wie es dazu kam, dass sich die Gesellschaft auf Computerprogramme verlassen hat und wie das dazu führte, dass den Menschen jegliche Selbstbestimmung unmöglich gemacht wurde. Es sei denn, es war gut für den Score.

Auf jeden Fall ist das Buch lesenswert für Nerds. Aber auch für Menschen die kritisch hinterfragen ob eigentlich gut ist, Technik zu vertrauen, die wir selbst nicht mehr verstehen.

QualityLand

Ich muss zugeben, dass ich relativ wenig deutsche Autoren lese. Einen Grund wüßte ich dafür jetzt nicht, es ergibt sich einfach seltener.

Auf den Rat eines Freundes hin habe ich mir aber

QualityLand
von Marc-Uwe Kling gekauft.

Und das war alles, nur kein Fehlkauf 🙂

QualityLand, Dunkle Edition
QualityLand, Dunkle Edition

Das Buch, dass es in einer hellen Edition und einer dunklen Edition gibt, spielt in einer nahen Zukunft in einem fiktiven Land, dass nur rein zufällig eine große Ähnlichkeit mit Deutschland hat.

Unser Protagonist, Peter Arbeitsloser lebt dabei in seiner eigenen kleinen Welt und ist umgeben von einer Gesellschaft, deren Wert sich darüber definiert, in welchem Tempo sie den einzelnen Menschen entmündigt.

Dabei gelingt Marc-Uwe Kling ein erstaunlicher Spagat mit vier Beinen.

Das erste Beinpaar spannt er von der Dramatik zum Humor: Gleichwohl das Buch locker und humorig daher kommt und in einem entspannten Stil von den Geschehnissen um Peter Arbeitsloser und QualityLand berichtet, wird schnell klar, dass der Geschichte eine tiefe Dramatik innewohnt.

Das zweite Beinpaar schließlich erstreckt sich von den gesellschaftlichen Herausfordeungen heute zu den möglichen Auswirkungen in der Zukunft. Dabei werden zahlreiche Themen für Nerds angesprochen, aber eben auch für Menschen die sich fragen, wo unsere Gesellschaft in 20 Jahren steht. Themen wie Datenschutz, autonome Systeme aber eben auch das Bedingungslose Grundeinkommen oder die Frage nach der politischen Paritizipation spielen wesentliche Rollen – um nur ganz wenige Themen anzusprechen, die der Autor verarbeitet.

Am Ende des Buches bleibt man erstaunt sitzen. Und begreift, dass eine fiktive Zukunfts-Geschichte vielleicht mehr mit dem Jetzt und Hier zu tun haben kann, als einem lieb ist.

Und vielleicht fühlt sich am Ende die eine oder der andere bemüßigt, die eigenen Entscheidungen im Leben zu hinterfragen. Und zu überlegen, was eigentlich der Sinn von Gesellschaft, Gemeinschaft und Indiduum ist. Und was der Sinn sein soll.

QualityLand ist nicht nur eine ganz besondere Leseempfehlung. Es sollte auch Teil des Lehrplans in der Schule werden.

 

Die Insel

Das erste Buch, dass wir Euch auf unserem neuen Blog vorstellen wollen, ist

Die Insel
von Richard Laymon

Die Kategorie bei Heyne ist „Hard Core“, entsprechend erwartet man einiges. Auch, weil der Klappentext voll des Lobes von großen Autoren wie Stephen King und Dean Koontz ist.

Die Geschichte beginnt recht gewöhnlich: schwerreiche Familie fährt mit Yacht aufs Meer, Yacht explodiert, Drama beginnt.

Was Laymon hier anders macht, sind vor allem drei Dinge:

  1. Das Tempo in dem unsere Protagonisten sterben ist atemberaubend. Nach ein paar Seiten hat man das Gefühl, dass im ersten Viertel des Buches alles Charaktere tot sein müssen.
  2. Relativ schnell ist klar, bzw. ist den handelnden Figuren klar, wer der Antagonist ist, der ihnen ans Leder will.
  3. Die Wahl der Perspektive: ein 18 jähriger Teenager,  der nicht weiß wo er hingehört und der mit der schieren Anzahl an Brüsten um sich herum überfordert ist.

Das ist auch die größte Kritik, die man an dem Buch üben kann: Der Versuch, aus der Perspektive eines liebestollen Teenagers, umgeben von lauter Frauen in knappen Bikinis, zu schreiben, geht völlig daneben. Das führt leider auch dazu, dass Mann das Ende schnell erahnt.

Natürlich könnte man versuchen zu glauben, dass das Absicht ist. Das Laymon tatsächlich so übertreibt. Aber das kommt einem selbst schon als Ausrede vor, wenn man versucht, sich selbst davon zu überzeugen.

Hier ist Stephen King vorne, der seinerzeit in „Glas“ (Dark Tower IV: Wizard and Glass) im Nachwort einräumte, wie schwer es ihm gefallen ist, über eine Phase seines Lebens zu schreiben, die schon länger zurück liegt.

Auch nicht gelungen ist Laymon in „Die Insel“ der Versuch, Grauen durch Grauen aufzubauen. Die möglichst detallierte Beschreibung der Vergewaltigung eines Mädchens mag simple Triebe befriedigen – ist aber weder der Geschichte dienlich, noch wirklich so gelungen, dass man es als wichtigen Teil begreifen möchte.

Das ich das Buch trotzdem zu Ende gelesen habe, liegt eher an kleinen Details. Denn das Abweichen von der Standard-Menschen-auf-einsamer-Insel-Story birg ja doch Potential. Und auch wenn Laymon das nicht voll ausnutzen kann, ist das Buch nicht schlecht.

Es ist ein klassisches „im Winter auf dem Sofa“-Buch. Man darf es halt nur nicht für Weltliteratur halten. Dann geht’s 😉