Die Insel

Das erste Buch, dass wir Euch auf unserem neuen Blog vorstellen wollen, ist

Die Insel
von Richard Laymon

Die Kategorie bei Heyne ist „Hard Core“, entsprechend erwartet man einiges. Auch, weil der Klappentext voll des Lobes von großen Autoren wie Stephen King und Dean Koontz ist.

Die Geschichte beginnt recht gewöhnlich: schwerreiche Familie fährt mit Yacht aufs Meer, Yacht explodiert, Drama beginnt.

Was Laymon hier anders macht, sind vor allem drei Dinge:

  1. Das Tempo in dem unsere Protagonisten sterben ist atemberaubend. Nach ein paar Seiten hat man das Gefühl, dass im ersten Viertel des Buches alles Charaktere tot sein müssen.
  2. Relativ schnell ist klar, bzw. ist den handelnden Figuren klar, wer der Antagonist ist, der ihnen ans Leder will.
  3. Die Wahl der Perspektive: ein 18 jähriger Teenager,  der nicht weiß wo er hingehört und der mit der schieren Anzahl an Brüsten um sich herum überfordert ist.

Das ist auch die größte Kritik, die man an dem Buch üben kann: Der Versuch, aus der Perspektive eines liebestollen Teenagers, umgeben von lauter Frauen in knappen Bikinis, zu schreiben, geht völlig daneben. Das führt leider auch dazu, dass Mann das Ende schnell erahnt.

Natürlich könnte man versuchen zu glauben, dass das Absicht ist. Das Laymon tatsächlich so übertreibt. Aber das kommt einem selbst schon als Ausrede vor, wenn man versucht, sich selbst davon zu überzeugen.

Hier ist Stephen King vorne, der seinerzeit in „Glas“ (Dark Tower IV: Wizard and Glass) im Nachwort einräumte, wie schwer es ihm gefallen ist, über eine Phase seines Lebens zu schreiben, die schon länger zurück liegt.

Auch nicht gelungen ist Laymon in „Die Insel“ der Versuch, Grauen durch Grauen aufzubauen. Die möglichst detallierte Beschreibung der Vergewaltigung eines Mädchens mag simple Triebe befriedigen – ist aber weder der Geschichte dienlich, noch wirklich so gelungen, dass man es als wichtigen Teil begreifen möchte.

Das ich das Buch trotzdem zu Ende gelesen habe, liegt eher an kleinen Details. Denn das Abweichen von der Standard-Menschen-auf-einsamer-Insel-Story birg ja doch Potential. Und auch wenn Laymon das nicht voll ausnutzen kann, ist das Buch nicht schlecht.

Es ist ein klassisches „im Winter auf dem Sofa“-Buch. Man darf es halt nur nicht für Weltliteratur halten. Dann geht’s 😉

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