Ghostbusters Legacy

Bekanntlich bin ich ein sehr, sehr alter Mann. Und da am Wochenende Kinozeit ist, war ich in einem Film für sehr alte, alte Menschen. Obwohl, der wird eigentlich gar nicht so beworben. Und auch die Spielzeiten im UCI deuten eher auf Familienunterhaltung hin. Was ist denn da los?

Wie der einen oder dem anderen bekannt ist, bin ich ein Kind der 70er Jahre. Demnach waren die 80er für mich musikalisch und filmisch prägend. Dazu gehört auch Ghostbusters und der (meiner Meinung nach zu unrecht gehasste) Ghostbusters II.

(Wie lange da her ist? Damals hatte Duisburg noch keine U-Bahn und man konnte mit der Straßenbahn bis vors Kino auf der Königstraße fahren. So lange. )

Wie die Aliens-Serie ist das etwas, was mich auch immer wieder faszinieren kann. Weil es einfach dieses Gefühl von “früher war alles besser” heraufbeschwören vermag.

Und dann passierte, was nicht hätte passieren dürfen:  2016 kam ein Remake, das vor allem versuchte, weiblicher, diverser, lustiger zu sein. Und schon einen so unglaublich miesen Trailer hatte, dass ich mir schwor, mir die Version nie anzusehen. (Und das auch nicht gemacht habe). Ein Remake das so schlecht ist, dass man heute schon fast gezielt danach suchen muss, weil es nicht einmal für Google richtige Relevanz hat. War das das Ende des Ghostbusters-Franchise?

Wie sich heraustellt: Nein.

Denn vor einigen Monaten sah ich einen Trailer für Ghostbusters Legacy, der im richtigen Moment die richtigen Knöpfe drückte. Vor allem, weil die Kino-Version eine entscheidende Szene länger war: Die Protagonistin wählte eine wohlbekannte Nummer. Und am anderen Ende nahm eine genauso bekannte Stimme den Anruf entgegen – Gänsehaut pur.

Also bin ich am Wochenende ins Kino gegangen. Mit gemischten Gefühlen. Würde der Film meinen Anforderungen genügen? Wäre er zu flach? Zu sehr auf Familie getrimmt? Würde er mir gefallen?

Was dann passierte, traue ich mich kaum zu sagen:

Ich habe mich köstlich amüsiert.

Der Film ist völlig anders, als ich es erwartet habe. Deutlich weniger klamaukig, dafür deutlich gefühlvoller. Durchsetzt von einem tiefen, oft sehr schwarzen Humor. Wobei er mich schon hatte, als aus dem Handschuhfach von Ecto-1 ein Twinkie fiel.  Um das zu verstehen muss man allerdings Zombieland gesehen haben, in dem auch Bill Murray auftaucht.

Anyway:

Der Film unterhielt gut. Und dann machte er das richtig, was ich mir gewünscht hätte, hätte ich mir etwas gewünscht, dass der Film richtig machen solle. Ich will das nicht spoilern, aber im letzten großen Gefecht passiert, was wir uns alle den gesamten Film über erhoffen.

Beim Verlassen des Kinos hatte ich nicht nur das Gefühl einen guten und unterhaltsamen Film auf der Höhe der Zeit gesehen zu haben. Ich hatte auch das Gefühl, die Wiedergeburt eines Franchise erlebt zu haben, dass 2016 völlig zerschmettert wurde. Eine Wiedergeburt, die es erlaubt, neue spannende Geschichten für eine neue Generation von Kinogängerinnen zu erzählen.

Eine Wiedergeburt allerdings, die sich in erster Linie an alte Menschen richtet, die die wohligen Gefühle von Früher noch ein Mal spüren wollen.

Und deswegen ist für mich Ghostbusters Legacy heißer Anwärter darauf, zu den Top 5 der Kinofilme 2021 zu gehören.

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