Don’t Look Up!

Ok. Es ist passiert: 2021 ist das Jahr, in dem das Kino starb und die Streaming-Dienste gewannen.

Wegen Corona? Ne, nicht wegen Corona. Wegen…. allem?

Ich habe hier im Blog für dieses Jahr 15 Filme für dieses Jahr verbloggt. Und vermutlich, wenn ich mich entscheiden müsste, wäre Free Guy der Beste gewesen. Allerdings war das Jahr auch geprägt von 3 Kino-Erfahrungen, auf die ich hätte verzichten können: Dune zum Beispiel, bei dem eine Karte fast 19 Euro kostete. Und dann war der Film Scheisse. Oder Gunpowder Milkshake, der mein Hirn flüchten ließ – zusätzlich verschlimmert mit einem miesen Bild im UCI Duisburg, für das sich niemand interessierte, weswegen es mich in Matrix 4 gleich noch mal erwischte.

Und so sitze ich heute Abend hier. Habe was zu essen und zu viel Zeit und denke…. was machst Du denn jetzt? Serien weiter gucken? Oder mal wieder einen Film? Ich hab gestern They Live mit großem Spaß noch mal gesehen. Also vielleicht heute was Neues? Und da war doch noch der Film auf Netflix den ich schauen wollte, wie hieß der gleich? Ach ja: Don’t look up!

 

Und… holy smoke, alter Falter, macht der Film vieles (*) richtig. Jennifer Lawrence mag ich eh. Ariana Grande als Persiflage ihrer selbst? Meryl Streep als Präsidentin der USA und offensichtlich einzige überlebende Tochter der Beziehung von D. Trump und S. Palin? Chris Evans? Ron Perlman? Meine Fresse tragen die Dick auf. Und dann ist der Film geschlagene 2 Stunden und 25 Minuten lang? Ob das trägt?

Und ja, das trägt. Anders als bei „Spiderman – No Way Home“, der aus 2 Stunden und 28 Minuten endloser langeweile, verschenkter Gags und dummer Sprüche besteht, ist Don’t Look Up schlicht fesselnd.

Versteht mich nicht falsch: Die Story ist natürlich total Gaga. Aber sie nimmt beißend, unterhaltsam und super akkurat unsere Gesellschaft auf’s Korn und vermutlich bin ich bei Peter Isherwell nicht der Einzige, der an Elon Musk und Jeff Bezoz denkt.

Und wenn man dann die Versuche der Wissenschaftler betrachtet, den Menschen die Lage zu erklären und schließlich eine „Look Up“ und eine „Don’t  Look Up“-Fraktion sich gegenüberstehen, dann muss man an „Impfbefürworter“ und „Impfgegner“ denken. Nie war die Verzweiflung der Wissenschaftler im Umgang mit Corona greifbarer als in diesem Film.

Und bis zum Abspann, bzw. den Szenen nach dem Abspann, bleibt sich der Film seiner selbst treu. Genau die richtige Menge absurdem Humors, um nicht klamauik zu wirken, dafür aber zielsicher in die Magengrube treffend: Sind wir Menschen wirklich so doof?

Am Ende des Films lautet die Antwort auf die Frage ja.

Verbunden mit der Frage: Ist das nur im Film so? Und der Angst davor, dass die Antwort „nein“ sein könnte.

Zur Frage am Eingang dieses Beitrags: Ich mochte Kino wegen der großen Leinwand und des Tons. Die sich nicht benehmenden Menschen, das zunehmende Desinteresse der Betreiber am Kunden und die nur noch bekloppten Preise, lassen mich aber wanken. Und wenn dann Netflix und Prime so hochwertige Filme auf den Markt werden wie dieses Jahr, wird die Luft für’s Kino echt dünn.

*) Leonardo DiCaprio ist ein beinah unverzeihlicher Fehler. Dieser Mann gehört nicht in diesen Film. Eigentlich in keinen. Er ist nämlich so schlecht wie in allen seinen Filmen und – natürlich wie immer, wenn Leo dabei ist – muss auch eine Herz-Schmerz-Frau dabei sein. Aber hey, das Ende reißt es raus 😉

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